Thet à Thet

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Väter und Söhne verbindet im Leben etwas ganz Besonderes und das ist nicht immer leicht, in Worte zu fassen. Bei Cellist Sonny Thet und Sohn Anthony ist das nicht anders. Wenn sie zusammen musizieren, hört man viele Einflüsse unterschiedlicher Generationen und empfindet sie als erfrischend kombiniert.

„Wenn wir zusammen sind, hören Paps und ich gerne Carlos Santana oder die Dire Straits. Insbesondere die großen Besetzungen auf Konzerten der 80er und 90er finden wir sehr eindrucksvoll. Den größten Einfluss auf unsere Kompositionen haben dennoch die Geschichten unserer Freunde aus fernen Ländern, gepaart mit unseren eigenen Wurzeln und allem, was das Heute und Morgen mit uns macht.“

Dass die Chemie zwischen den beiden stimmt, merkt man ab der ersten Sekunde, in der man Vater und Sohn zusammen erleben darf. Kein Moment, an dem das Band bricht. Sie lächeln, sie lachen und kommunizieren auch ohne Worte.

„Man schaut sich an und weiß einfach, was der andere denkt und fühlt. Es geht letztendlich überall auf der Welt darum, seinen Kindern beizubringen das Leben zu respektieren, Herausforderungen zu überwinden und etwas zu hinterlassen, das die Welt zu einem besseren Ort macht.“

Thet à Thet gibt es schon viele Jahre und sowohl Sonny, als auch Anthony genießen die seltenen Konzerte als wohltuenden Ausgleich zu ihren sonstigen Musikprojekten.

„Auf unseren gemeinsamen Konzerten wird in der Regel sehr viel gelacht und wir freuen uns immer, wenn wir alte Freunde aus aller Welt dazu bekommen, mit uns auf der Bühne zu stehen.“

Dieser Freundeskreis ist über die Jahre hinweg immens groß geworden und es stellt eine kleine Herausforderung dar, alle zur gleichen Zeit auf einen Fleck zu bekommen. Zu den häufigsten Besetzungen zählen Justo Perez aus Kuba an der Querflöte und Percussion. Er ist ein treuer Wegbegleiter von Sonny noch aus BAYON-Zeiten. Sebastian Bertram am Klavier ist selbst Sohn einer Musiklegende und spielte von Anfang an bei Thet à Thet. Vater Sherry Bertram ist mit seinem Studioorchester seit 1967 auf unzähligen Tonträgern vieler Stars zu hören und auch sein Sohn begleitet regelmäßig das Who is Who der Musikszene. Pablo Turati ist Bassist aus Mexico und stieß jüngst zu Thet à Thet dazu. Anthony nennt ihn liebevoll Hermanito, was so viel heißt wie „kleiner Bruder“. Zahlreiche Gastsänger und –sängerinnen gehören ebenfalls zur Entourage der Band, die oft unverhofft und überraschend auf Konzerten integriert werden.

Jetzt erscheint ein gemeinsames Album der Herren Thet obwohl es immer hieß, dass es ein solches niemals geben wird.

Wir haben sehr lange überlegt, ob wir unsere Kompositionen tatsächlich auf einem Tonträger verewigen wollen. Immerhin lebt unsere Musik davon, dass wir die Stücke auf keinem Konzert auf gleiche Art und Weise spielen. Wir haben es bisher immer sehr genossen, Erinnerungen im Herzen zu tragen und den Rest der Fantasie zu überlassen. Uns ist wichtig, dass jedes Zusammenspiel zwischen uns ein Erlebnis bleibt, auf das wir uns immer wieder auf’s Neue freuen können. Thet à Thet darf sich niemals nach Arbeit anfühlen.“

Die Einflüsse beider Musiker sind zahlreich, sehr verschieden und passen dennoch wie ein Puzzle perfekt zusammen. Es ist wirklich etwas Besonderes.

„Thet à Thet ist eine Herzblutangelegenheit und das werden wir immer beschützen. Eine feste Bindung an ein Plattenlabel haben wir als Duo bisher nie im Betracht gezogen. Eine Vater-Sohn-Beziehung gehört nun mal nicht in einen Vertrag. Unsere Band ist eine Familie und wer mit uns arbeiten möchte, muss lediglich den Wunsch äußern, Teil dieser zu werden.“

Sonny Thet wurde zusammen mit einem auserwählten Kreis an Studenten Ende der 60er Jahre aus dem Königreich Kambodscha nach Weimar entsandt, wo er im Auftrag des Prinzen Sihanouk an der Franz Liszt Hochschule klassisches Cello studierte. Der Prinz wünschte sich ein Orchester nach europäischem Vorbild und hoffte, dieses nach Rückkehr seiner Stipendiaten, seinem Volk zum Geschenk machen zu können. Während des Studiums brach jedoch Krieg in der Heimat aus und die Roten Khmer ergriffen die Macht. Eine Rückkehr nach Kambodscha hätte den sicheren Tod der Studenten bedeutet.

Sonny Thet blieb, so schwer es ihm auch fiel, in Weimar und gründete 1971 zusammen mit Christoph Theusner die legendäre Formation BAYON, die nach diversen Alben bis heute als eine der einflussreichsten Weltmusikbands der DDR gilt. Im Jahr 2006 wurde im Soundtrack des Oscar-prämierten Spielfilms Das Leben der Anderen das Lied Stell Dich mitten in den Regen neu veröffentlicht, in dem Bayon das Gedicht Versuch es von Wolfgang Borchert als Text verwendeten. 2010 folgte die Verleihung des Ehren-RUTH an die Gruppe BAYON und zeichnete in diesem Zuge als deutscher Weltmusikpreis fast 40 Jahre Beitrag zu Kunst und Kultur aus.

Sonny Thet komponierte und spielte seit seiner Zeit in Weimar die Musiken zahlreicher Theaterstücke ein und tut dies bis heute leidenschaftlich gerne. Katja Riemann, Jan Josef Liefers und auch die Söhne Mannheims schätzen darüber hinaus seine Aura und seine Melodien auf der Bühne in gemeinsamen Konzerten oder in Theaterstücken sehr.

Jemand sagte einst über Sonny Thet, er spiele das Cello nicht nur, sondern er erzähle Geschichten.

„Es gibt manche Dinge im Leben, die kann man nicht ändern und man muss versuchen, sie in Würde zu ertragen und zu verarbeiten. Musik ist ein guter Weg, anderen Menschen und auch sich selbst ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern.“

Auch wenn Künstler nicht immer gerne über ihr eigenes Leben reden, so sprechen ihre Werke häufig eine um so deutlichere Sprache. Wer genau hinhört und die Augen schließt während Sonny Thet den Bogen streicht, der versteht diesen Mann, seine Erinnerungen und seine Gedanken.

Heute lebt Sonny Thet in Berlin, ist seit 35 Jahre verheiratet und hat zwei Söhne, von denen ihm einer ebenfalls auf musikalischen Wegen folgt.

Anthony Thet kam 1980 in Erfurt zur Welt, wuchs in West-Berlin auf und führt ein Leben, das er selbst als „Musiker mit Patch-Work-Biographie“ bezeichnet. Seit dem 14. Lebensjahr spielt er Gitarre und zählt B.B. King, Mark Knopfler und Albert Collins zu seinen größten Einflüssen. Er erfüllt heute mehrere Lehraufträge im Bereich Musikmanagement u.a. an der University of West London und an der Hochschule der Populären Künste. Als Sohn eines Künstlers und einer Volkswirtin entdeckte er Themengebiete beider Welten, die ihn stark interessierten. Während seines Wirtschaftsstudiums an der Technischen Universität Berlin fängt er an, nebenberuflich als Studio-Gitarrist zu arbeiten, aber sein autodidaktischer Stil und eine lockere Herangehensweise an Musik verschaffen ihm schnell Engagements bei namenhaften Acts. Künstler wie Ich+Ich, Lutricia McNeal und Natasha Thomas lassen sich Live von ihm in Radio und TV begleiten aber „…eigentlich wollte ich nur mein Studium finanzieren, plötzlich war ich jedoch in einem Tourbus unterwegs oder lernte auf Flughäfen für meine Klausuren.“. 2005 gründete er mit Sänger Finn Martin die Band Asher Lane, um etwas mehr Zeit für andere Dinge zu haben, jedoch wurde auch dieses Projekt so erfolgreich, dass sich der Studienabschluss abermals verzögerte. Mit dem Song „New Days“ kamen sie im Zuge einer internationalen NIVEA-Kampagne in über 90 Ländern in die Kinos, ins Fernsehen und ins Radio. Sie spielten anschließend viel im In- und Ausland und brachten insgesamt zwei Alben heraus. „Ich bin bis heute ein großer Freund einer ausgewogenen Life-Balance.“ Mit 30 Jahren wollte er eigentlich im Hintergrund der Musikbranche tätig sein, andere Künstler managen und Musik nur noch zum Spaß machen.

„Auf Tour sein ist zwar schön, aber man ist immer weit weg von Familie und seinem Zuhause. Es gibt sicherlich viele Musiker, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen. Wenige streben danach ihren Beruf endlich zum Hobby zu machen, aber ich gehöre definitiv dazu. Musik ist meine größte Leidenschaft und das soll sie auch bleiben. Beruflicher Zeit- und Leistungsdruck sind da nicht immer förderlich. Dennoch werde Ich immer auf der Bühne stehen wollen. Die Lichter genießen, die Blicke, die man sich unter Musikerkollegen zuwirft, die Interaktion mit dem Publikum usw.“

2010, kurz vor seinem 30. Geburtstag wurde das englische TV-Format X-Factor nach Deutschland lizensiert und suchte Künstler, die die Herausforderung annehmen wollten, musikalisch gegeneinander anzutreten. Unter der Voraussetzung, immer die E-Gitarre Live spielen zu dürfen, sagte er schließlich zu.

„Es konnte doch keiner ahnen, dass ich es bei 20.000 Bewerbern unter die letzten 4 Finalisten schaffen würde. Aber es war eine der beeindruckendsten Bühnen, die ich jemals betreten durfte. Die Auftritte waren alle so wunderschön inszeniert. Die Lichter, die Tänzer, die Hintergrundanimationen. So etwas gibt’s nur im Fernsehen und ich denke bis heute sehr gerne daran.“

Seither ist Anthony ein gut gebuchter Sänger und Gitarrist auf Events großer Firmen und Marken mit bis zu 150 Konzerten im Jahr. „Ich spiele gerne in großen Besetzungen und da ist es einfacher, eine bis zu 12-köpfige Band zu finanzieren, wenn ein finanzstarker Partner hinter einer Buchung steht. Es ist kaum zu glauben, wie sehr sich Kunden und Mitarbeiter freuen, wenn die Band eine gute Show hinlegt.“

Jetzt steht allerdings Thet à Thet an erster Stelle bei Vater und Sohn.

„Paps und ich werden nun, wo das Album veröffentlicht wird, häufiger zusammen auftreten. Zum Spielen treffen wir uns ja eh jede Woche, allerdings privat, manchmal mit Freunden, aber immer mit Jasmin-Tee und Geschichten über Laurel und Hardy.“

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